Blut

Anmerkung: Eine deutlich gekürzte Fassung von Blut erschien in der Null-Nummer (und einzigen Ausgabe) der Kölner Zeitung beat cologne im September 1999.


Der Wind wehte dichte Regenschleier über die einsame Straße, zerrte an den herbstlichen Bäumen und pfiff um die Häuserecken. Die Dunkelheit kroch herauf wie ein hungriges Tier und versuchte die schwachen Kreise der Straßenlaternen zu verschlingen. Gelegentlich mühten sich Autos durch den Regen, deren Scheinwerfer geisterhafte Augen in der Finsternis waren. Maureen saß unruhig auf dem Vordersitz und betrachtete sich im Spiegel. Ein wenig blass und nervös, die blauen Augen huschten unkonzentriert umher. Sie atmete tief ein und straffte sich, dann stieß sie die Türe auf und kletterte aus dem Wagen. Leise fluchend eilte sie durch den dichten Regen in den Schutz des schmutzigen Vordachs. Die Lampe am Eingang flackerte unaufhörlich, wie ein schlechtes Omen. Ihre Hand schwebte einen Augenblick über einem der abgewetzten Klingelknöpfe, dann presste sie ihn so fest es ging. Es dauerte einige Zeit, sie war schon fast wieder soweit zu gehen, als die Türe leise summte. Sie drückte sich dagegen und betrat den leeren, aber wenigstens trockenen Flur. Es roch nach Alter, Feuchtigkeit und Linoleumboden. Aus den Briefkästen quollen Zeitungen und Werbeprospekte, ein vergammelter Kinderwagen stand neben dem Hinterausgang. Das Licht war trübe und ließ die verblassende Farbe an den Wänden noch stumpfer aussehen.

"Kommen Sie nach oben", bat eine männliche Stimme von irgendwo über ihr.

Maureen schauderte, aber die Neugier war größer als die Furcht. Eilig stieg sie die knirschende Treppe hinauf.

Was immer sie erwartet hatte, sie wurde enttäuscht.

Er sah nicht übermäßig gut aus, seine Haut war bleich, die braunen Augen lagen tief in den Höhlen und die schwarz gefärbten Haare standen ungeordnet vom Kopf ab. Er trug ein schwarzes, verwaschenes T-Shirt und eine gleichfarbige Jeans, dazu unpassende Hausschuhe. Er fügte sich in die Trostlosigkeit des Hauses, auch wenn er irgendetwas Sympathisches an sich hatte. Zumindest war das ihr erster Eindruck, aber sie wusste, dass das nicht all zu viel hieß.

Er streckte ihr die Hand entgegen: "Ich bin Danny und sie sind ... Maureen? Kommen Sie rein." Sein Händedruck war herzlich, sein Haut warm und weich - was hatte sie erwartet? Sie nickte auf seine Frage und ging vorsichtig an ihm vorbei in den engen Hausflur. Er schloss die Tür hinter ihr und damit umfing sie ein unangenehmes Halbdunkel. "Geben sie mir Ihren Mantel", bat er leise und hing das durchnässte Kleidungsstück an einen Haken. "Schreckliches Wetter, man könnte meinen, Chicago solle vom Erdboden gespült werden." Sie blickte ihn an und seine Zähne schimmerten bei seinem Lächeln in der Dunkelheit. Keine spitzen Eckzähne, das wäre wohl zu klischeehaft, dachte sie und lächelte zurück. "Gehen Sie durch", forderte er sie auf und sie schob die Wohnzimmertüre nach innen. Hier war es wärmer, durch einige Kerzen, die er entzündet hatte, und eine hochgedrehte Heizung.

"Wollen Sie etwas trinken? Einen Tee vielleicht?"

"Tee wäre in Ordnung", gab sie zurück.

Danny verschwand in die Küche und ließ sie alleine im Wohnzimmer. Neugierig schaute sie sich um, das Unbehagen hatte sich in eine stille Ecke zurückgezogen. Der Raum war voll gestellt mit allen möglichen Dingen, am auffälligsten war ein großer schwarzer Sarg, der an einer Wand lehnte. Darüber hing eine zerknautschte Unionjack-Flagge. Es gab ein Bücherregal, das voll gestopft war mit abgegriffenen Vampirromanen und psychologischen Abhandlungen über das Thema. In einer Vitrine lagen ein Paar Vampirzähne in einem silbernen Schälchen, daneben eine alte Bibel und ein funkelndes Strasskreuz. Ein Stapel CDs balancierte auf einer Stereoanlage - sie fuhr die Titel mit den Fingern nach, kannte aber nur wenige der Bands. Die Wände waren überall mit schwarzem Stoff verhangen, so dass es ziemlich duster im Raum war. Ein wackeliges Tischchen befand sich zwischen einer abgewetzten Ledergarnitur, auf dem eine Vase mit einem Strauß dunkelroter Rosen stand. Sie schnupperte daran, aber die Blumen sahen nur gut aus, ein nennenswerter Duft fehlte ihnen. Dafür roch es nach Räucherstäbchen oder etwas ähnlichem. Als er mit einem kleinen Tablett mit Teetassen und einer Kanne zurückkam, studierte sie gerade die Titel der Bücher.

"Kennen Sie etwas davon? Oder interessieren Sie sich nicht für Vampire?", fragte er und stellte seine Last auf dem Tischchen ab.

"Oh, nein, ich meine ja. Dracula kennen wohl die meisten. Aber das ganze andere Zeugs ...", erwiderte sie mit einem entschuldigenden Lächeln, schob sich eine nasse Strähne aus der Stirn und wischte sich die Feuchtigkeit verlegen an der Hose ab. "Wollen Sie ein Handtuch?" Aber sie winkte ab. "Nicht schlimm, das meiste ist Schund und nicht sonderlich interessant. Zudem wiederholen sich die Themen irgendwann einmal. Die Abhandlungen sind ganz interessant, aber nutzlos", erklärte er mit einem Lächeln.

Sie stimmte ihm zu, obwohl sie keine Ahnung von alledem hatte. Ein wenig schüchtern setzte sie sich in eine Ecke der protestierenden Couch und nahm dankbar die dampfende Tasse Tee an, die Danny ihr reichte. "Schlafen Sie in dem Ding?", fragte sie zwischen zwei Schlucken und deutete auf den Sarg.

"Da drin? Ich habe es mal versucht, aber es ist so unbequem, dass ich eine Woche Rückenschmerzen hatte. Ich bevorzuge dann doch ein weiches Bett", antwortete er mit leisen Lachen, das die Spannung etwas aus dem Raum nahm. "Nein, ich finde er macht sich nur ganz gut im Wohnzimmer. Und vielleicht für den Fall, dass ich die Miete mal nicht bezahlen kann."

Eine Zeit lang schwiegen sie, nur das Plätschern des Regens an die Scheiben war zu hören. Maureen entspannte sich, es war vielleicht ein bisschen unheimlich, aber irgendwie nicht so, wie sie es erwartet hatte. Na ja, eigentlich hatte sie gar nichts erwartet, nur ein paar Befürchtungen gehabt.

"Sie haben so etwas noch nie gemacht?"

Sie zuckte die Schultern: "Na, im Krankenhaus mal, aber das ist wohl was ganz anderes. Nicht für so etwas."

Er nickte und hob beruhigend die Hände. Seine Stimme klang weich und freundlich, fast vertraut: "Sie müssen das nicht machen, wenn Sie nicht wollen. Vielleicht kommt Ihnen das alles zu suspekt vor, oder ich bin Ihnen unsympathisch, oder Sie haben Angst davor, sich irgendeine Krankheit einzufangen."

Sie schüttelte den Kopf, wohl wissend, dass es dann kein Zurück mehr geben würde. "Man hat mir gesagt, dass Sie ganz vorsichtig sind. Gott, Stacy war ganz begeistert von Ihnen und meinte, dass Sie nur frische Instrumente benutzen würden. Wenn Sie mich nicht so neugierig gemacht hätte, wäre ich vermutlich gar nicht gekommen. Es ist wohl ziemlich abgefahren ...", redete sie und hatte plötzlich Mühe, ihren Wortschwall zu bremsen. Jetzt wurde sie wieder nervös.

"Viel kann Ihnen aber nicht dafür geben. Ich kann die Miete kaum zahlen und muss auch noch irgendetwas essen", erklärte Danny, während er zu einem Schreibtisch ging und die Schublade aufzog.

"Nein, ist schon in Ordnung. Ich bin nicht wegen des Geldes hier. Reine Neugier. Vermutlich", sagte sie gepresst und beobachtete ihn.

Er kam mit einem länglichen Etui zurück und legte es vorsichtig auf dem Tisch ab. Darin befanden sich Spritzen und dünne Schläuche, Desinfektionsmittel und Wattetupfer. Jetzt wurde ihr doch ein bisschen mulmig - Spritzen hatte sie noch nie gemocht. Neben das Etui legte er ein paar Dollarscheine und tippte mit dem Finger darauf. Sie nickte.

Vorsichtig riss er die Plastikverpackung einer frischen Nadel auf und steckte sie auf, dann wandte er sich zu ihr. Sein Gesicht war angespannt, aber in seinen Augen konnte sie so etwas wie Vorfreude oder auch Verlangen glitzern sehen. Ihr Herz begann zu rasen und sie spürte wie ihre Handflächen feucht wurden. "Entspannen Sie sich. Es wird nicht wehtun. Und wann immer Sie genug haben, werde ich sofort aufhören. Es ist Ihre freie Entscheidung, ich zwinge Sie zu nichts, Maureen", flüsterte er. Seine Worte klangen beruhigend, fast hypnotisch. Ihre Angst schwand langsam und sie lehnte sich zurück, ließ zu, dass er ihr vorsichtig den Ärmel ihres Hemdes hochschob. Sie schloss die Augen und wartete ab. Seine Berührungen waren sanft und weich, fast liebevoll, als er ihre Armbeuge befühlte. "Ein kleiner Stich nur, so, das war es schon", sagte er und sie zuckte wegen dem kurzen Schmerz zusammen. Einige Momente herrschte Schweigen, in dem sie ein leises Tröpfeln hören konnte, dann wagte sie es, die Augen zu öffnen. Danny saß ihr gegenüber auf der Kante des Tischchens und starrte verzaubert auf das Blut, das aus ihrem Arm über einen kleinen Schlauch in eine verchromte Thermoskanne floss. Irgendwie musste sie schmunzeln. Für einen Moment hatte sie befürchtet, dass er direkt an dem Schlauch saugen würde, aber jetzt saß er nur ganz still da, gefesselt von einer tiefen Faszination für den langsam steigenden Inhalt der Kanne. Aus dem Lächeln wurde ein Lachen, als die Spannung von ihr abfiel. Sie wollte es nicht, konnte sich aber nicht dagegen wehren. Ein Schütteln durchlief ihren Körper. Danny hielt mit einem leisen Schrei den Schlauch in der Kanne und schaute sie verblüfft an. Maureen hielt sich die Hand vor den Mund und erstickte das Lachen zu einem Prusten, aber ein paar Tränen rannen ihr die Wange hinunter. "Entschuldigen Sie, Danny. Es tut mir leid. Ich weiß auch nicht", brachte sie mühsam hervor. Die ganze Situation schien ihr so skurril, dass sie nicht anders konnte als zu lachen.

"Bitte, halten Sie still", entgegnete er und zog dann vorsichtig die Spritze von ihrem Arm. "Pressen Sie das darauf!", wies er sie an und drückte einen Tupfer auf die Wunde. Dann legte er Schlauch und Anhang vorsichtig auf dem Tisch ab und verschloss behutsam die kleine Thermoskanne.

Maureen wischte sich die Lachtränen aus dem Gesicht und rieb sich den Arm. "Sie ist nicht ganz voll, tut mir leid."

"Ist schon in Ordnung. Das reicht für eine Weile", antwortete er und sortierte seine Instrumente wieder ins Etui ein. Maureen sah ihn fasziniert an. Irgendetwas war schon an ihm dran, aber sie konnte nicht genau sagen, was. Nicht seine freundliche, nette Art, dass reichte nicht aus, um sie anzuziehen. Es war irgendetwas darunter, von dem sie eine Ahnung hatte, dass sie aber nicht begriff. Sie lächelte ihn an, auf eine Weise, wie sie als dummes Schulmädchen früher HighSchool-Typen angelächelt hatte. Verwirrt wandte sie sich ab und rollte den Ärmel runter. Er schien es nicht bemerkt zu haben und erhob sich mit der Kanne in der Armbeuge, als würde er behutsam einen Schatz transportieren. Vermutlich war es so etwas für ihn. "Danke", sagte er nur und lächelte sie an.

Das war es? Mehr als ein Danke und ein paar Dollar sollte sie nicht mitbekommen? Maureen war tief enttäuscht. Er bugsierte sie langsam zur Türe und hatte gerade ihren Mantel vom Haken genommen, als sie sich nicht mehr beherrschen konnte: "Trinken Sie es nicht sofort?"

Danny hielt in seiner Bewegung inne und drehte sich zu ihr um. Seine Stimme war ein wenig schwankend: "Nein, das wäre nicht gut. Es verändert mich etwas, und da sollten Sie nicht dabei sein."

"Bekommen Sie Fledermausflügel oder so was?" fragte Maureen im Scherz, aber ihm war es irgendwie ernst.

"Nein, so etwas doch nicht. Nicht physisch. Zumindest nicht sichtbar. Emotional werde ich ...", erklärte er und stockte dann.

"Emotional werden Sie ...", versuchte sie ihn aus der Reserve zu locken. Irgendetwas stachelte ihre Neugier an, obwohl ein anderer Teil von ihr die Gelegenheit begrüßte zu gehen. Er wirkte ziemlich seltsam, als er da im Flur vor ihr stand in seinen schwarzen Klamotten, mit der Thermos im Arm und diesem niedlichen, aber etwas blassem Gesicht.

Seine dunklen Augen schauten sie unsicher an, das erste Mal an diesem Abend, dass sie diese Unsicherheit darin finden konnte. Es war ihm unangenehm es in ihrer Gegenwart auszusprechen: "... werde ich erregt."

Sie schnappte nach Luft und schaute ihn überrascht an: "Mehr nicht? Es erregt Sie nur? Sie sind nur ein wenig pervers, oder?" Das hatte nicht sagen wollen, vielleicht war er einfach nur verklemmt und ein bisschen abartig. Sein Mund verzog sich zu einem spöttischen Lächeln, mit dem er einiges an Selbstsicherheit wieder fand. "Nein, eigentlich bin ich nicht sonderlich pervers. Das ist nur eine Begleiterscheinung. Es ist wie ein Drogenrausch - viel besser als Drogen, besser als Sex. Na ja, in Verbindung mit Sex ist es am besten", antwortete er. Es glitzerte in seinen braunen Augen und für einen Moment war sich Maureen nicht klar darüber, ob er ihr seine Schüchternheit nicht einfach nur vorspielte.

Sie wusste, dass sie vielleicht eine Dummheit beging, aber ihre Mutter hatte immer gesagt, wenn sie etwas wollte, sollte sie es sich in dieser Welt einfach nehmen. Die Worte kamen leise über ihre Lippen: "Ich möchte bleiben ..."

Danny schaute ihr einige Zeit in die Augen, dann zuckte er wortlos die Schultern und warf ihren Mantel zurück auf den Haken. "Gehen Sie ins Wohnzimmer", sagte er grob und sie kam seiner Aufforderung nach. Einige Momente wartete sie alleine, eingehüllt von der Wärme der Kerzen und dem Duft nach Räucherstäbchen, dann kehrte er ins Zimmer zurück. Aus der Kanne hatte er sich ein wenig Blut in eine schmucklose Tasse gegossen. Er stand ihr gegenüber und betrachtete sie eingehend, fast abschätzend, den Mund zu einer dünnen Linie verzogen. "Bist du dir sicher, dass du bleiben willst?", fragte er teilnahmslos, seine ganze Aufmerksamkeit galt nun dem Inhalt der Tasse. Er schnüffelte daran, wie an einem Frühstückskaffe oder einem Glas edlem Wein. Um seine Worte zu bestätigen, setzte sie sich auf die Armlehne des Sessels. Sie spürte, dass ihr Herz vor Aufregung klopfte und ihr ein paar Schweißperlen auf der Stirn standen. Gott, das war verrückt. Sie kannte den Typen überhaupt nicht. Er war ein Spinner, vermutlich pervers und vielleicht sogar gewalttätig. Er trank Blut und hielt sich für einen Vampir. "In der Schublade da sind Kondome", sagte er und deutete mit der Hand zum Schrank. Benommen nickte sie, konnte ihren Blick aber nicht von ihm nehmen. War das irgendein mysteriöser Vampirzauber, oder war sie einfach nur geil? Er setzte die Tasse an die Lippen und trank ihr Blut mit geschlossenen Augen. Sie sah seinen Kehlkopf tanzen, als er gierig schluckte, ohne einmal abzusetzen. Seine Hände krampften sich um die Tasse, bis er sie bis auf den letzten Tropfen geleert hatte. Dann schleuderte er sie achtlos fort. Ein Schaudern durchlief seinen Körper, begleitet von einem leisen Stöhnen. Sie sah ein paar Blutstropfen auf seinen Lippen, die er begierig mit seiner Zunge fortwischte. Die Spannung im Raum war kaum auszuhalten, es war als hätte sie irgendein Fieber gepackt und erhitzte ihren Körper. Danny stand vor ihr und blickte sie an, das Weiß seiner Augen war blutrot gefärbt, Schlieren tanzten darin umher. Maureen stieß einen leisen Schrei aus, aber seine Stimme unterbrach sie. Sie klang kraftvoll und drängend, hatte kaum Ähnlichkeit mit der ansonsten ruhigen Tonlage: "Es ist nur ein Nebeneffekt, keine Angst." Das Blut hatte ihn verändert, so als wäre plötzlich eine ungeahnte Stärke in ihm erwacht. Mit einer Bewegung, die so schnell war, dass sie sie kaum wahrnahm, war er bei ihr. Sie roch seinen Schweiß und die Hitze seines Körpers. Seine Hände fassten sie und hoben sie mühelos hoch. Einen Moment lang versuchte sie sich zu wehren, aber sie war zu schwach. Außerdem hatte sie es gewollt, wollte es jetzt noch. Seine Lippen waren rau und schmeckten nach ihrem eigenen Blut. Sie stöhnte auf, halb vor Schmerz und halb vor Begierde, dann nestelte sie an seinem T-Shirt herum, zog es ihm aus der Hose und berührte seine Brust. Seine Haut war heiß und weich, als er sich gegen sie presste. Sein Küssen wurde drängender, wanderte ihren Hals hinab und vergrub sich darin. Würde er sie beißen? Nein, er saugte ihr schwitzendes Fleisch in seinen Mund, sie spürte seine Zunge, aber er biss nicht zu. Er stöhnte leise vor Lust und sie spürte das Drängen seiner Hüften. Mit einem Ruck zerrte er an ihrem Hemd und zerriss mühelos den Stoff, dann warf er die Reste achtlos in den Raum. Während sie ihn etwas wegdrängte, löste sie den Verschluss ihres BHs. Dann presste sie sich gegen ihn, und es war als würde ihre Haut Feuer fangen. Sein Mund wanderte von ihrem Hals in das Tal zwischen ihren Brüsten, sie spürte seine Zunge, die ihre Haut mit Speichel benetzte. Ihre Nippel waren hart und schmerzten als sein Mund daran zu saugen begann. Sein Stöhnen wurde drängender und seine Hände wanderten zum Bund ihrer Hose. "Nicht, die ... Kondome ...", keuchte sie und wandte sich in seinem Griff, als er ihre Hose aufknöpfte. Sie konnte sich selbst kaum beherrschen und tastete blind nach der Schublade, zog sie auf und griff sich eines. Mit einem Ruck hob er sie mit einer Hand um ihre Taille hoch, während er ihr mit der anderen Hose und Slip herunter zog. Dann legte er sie rücklings auf den Boden. Benommen fingerte sie an der Plastikverpackung herum, während sie zusah, wie er sich die Hose auszog. Von seinem nackten Körper ging eine unbändige Kraft und Hitze aus, seine Haut war ein wenig gerötet und glänzte vor Schweiß. Das Kerzenlicht spiegelte sich im Braun und Rot seiner Augen. Hastig zog sie ihm das Kondom über und sank dann mit angehaltenem Atem zurück. Es war Wahnsinn. Der Liebesakt schien eine Ewigkeit zu dauern, seine Bewegungen waren kraftvoll und drängend, aber er verlor die ganze Zeit kein bisschen an Härte. Maureen glaubte, ihr müssten die Sinne schwinden, als sie sein Gesicht ganz dicht über ihrem sah, die Wärme seines Atems spürte und in die blutigen Augen schaute. Ihre Fingernägel gruben sich tief in seine Haut, während sie ihm die Zunge ins Ohr steckte. Sie war wie besessen. Als der Morgen graute, zog er sich erschöpft aus ihr zurück und sie dösten beide ein.

Die Kerzen waren heruntergebrannt und durch die Gardinen fiel trübes Sonnenlicht. Der Regen hatte sich verzogen, hing aber in den Wolken über der Stadt. Als Danny erwachte, war das Rot völlig aus seinen Augen verschwunden, genau wie die Kraft aus seinem Körper. Er wirkte normal, wenn auch sichtlich übermüdet. Benommen kroch er über den Boden und zerrte die Vorhänge zu, ein leises Stöhnen auf den Lippen. Dann suchte er im Halbdunkeln seine Sachen zusammen.

"Alles in Ordnung?", fragte sie und setzte sich wieder auf die Lehne des Sessels.

"Ja, schon okay. Nur eine Nebenerscheinung, weißt du. Tageslicht vertrage ich einfach nicht mehr. Frühstück?" Er trabte in Unterhose und T-Shirt in die Küche.

Sie wartete alleine, knöpfte das geliehene Hemd zu und öffnete schließlich ein Fenster um frische Luft und den Lärm der morgendlichen Stadt herein zu lassen. Danny kam mit einer Packung Toastbrot und Wurst, sowie einer dampfenden Kanne Kaffee zurück und ließ sich auf das Sofa fallen. Sein Gesicht war verquollen, die Augen lagen tief in den Höhlen, die Haut wirkte noch bleicher als am Vorabend und spannte über den Knochen. Sein Haar schien jeglichen Glanz verloren zu haben. Sie frühstückten wortlos, Danny mit geringem Appetit. Schließlich brach sie das Schweigen, gerade als es so aussah, als würde er langsam eindösen. "Das war eine echte Wucht gestern Nacht", platzte sie heraus. Normalerweise redete sie nicht über solche Sachen, vor allem nicht beim Frühstück danach, aber das hier war etwas anderes.

Er lächelte, wenn auch müde: "Ein weiterer Nebeneffekt, einer der angenehmen."

Sie kaute auf einem Stück Toast herum und bohrte weiter: "Wie bist du dazu gekommen? Hey, wenn ich dir zu neugierig bin, musst du es nur sagen."

Er winkte ab: "Schon in Ordnung. Ich weiß auch nicht genau. Blut hat mich schon immer fasziniert, weißt du. Aber es war mehr ein Zufall. Das ganze funktioniert nur mit fremdem Blut, Eigenblut verschafft kein Hochgefühl. Du hast eine Freundin, sie schneidet sich beim Kochen und du saugst das Blut von ihrem Finger. Dann explodiert die Welt um dich herum, als hättest du bisher nur geschlafen. Du fühlst dich stark - verdammt, du bist stark. Und geil. Wir fallen übereinander her, wie Tiere. Und dann willst du mehr, immer öfter. Du brauchst es, jeden Tag. Es ist wie eine Droge, aber viel intensiver als die meisten davon. Irgendwie kommst du darauf, dich als Vampir zu sehen - natürlich bist du keiner im klassischen Sinne. Keine Unsterblichkeit, kein Gestaltwandel oder etwas in der Art. Kreuze und Weihwasser interessieren dich nicht, aber trotzdem hast du gewisse Ähnlichkeit mit diesen Untoten. Vielleicht bist du ein realer Vampir, das, was die Menschen an so übernatürliche Wesen glauben ließ. Es ist irgendeine genetische Veränderung, aber ich bin nicht wild darauf, mich untersuchen zu lassen. Nach einiger Zeit meidest du das Sonnenlicht, du verträgst es nicht mehr, reagierst irgendwie allergisch. Die Nächte sind eh viel besser. Dann lernst du, dass, wenn du auf Blut bist, das Zeug wie eine Wunderdroge wirkt - du bist stärker, schneller, sensitiver ... unermüdlich im Bett." Dannys Stimme wurde immer zäher während seiner Ausführung, tropfte schließlich nur noch dahin.

"Aber was ist mit AIDS oder anderen Krankheiten?", fragte sie unsicher, ein Gedanke der sie seit dem Aufwachen beschäftigt hatte, aber eigentlich hatte sie danach nicht fragen wollen.

Er kratzte sich am Kopf: "Mmh, ich gebe zu, dass das ein Risiko sein mag, aber bisher hatte ich Glück. Ich mache ziemlich oft einen Test. Vielleicht bin ich aber auch immun." Er zuckte die Schultern, vermutlich hatte er sich schon den Kopf darüber zerbrochen, aber was blieb übrig, wenn man abhängig war? Die Sonne stand am Mittagshimmel und mit ihrem Steigen schienen ihm immer häufiger die Augen zuzufallen. Er döste ein, wachte wieder auf und betrachtete sie mit verquollenem Blick - in diesem Moment waren die Erlebnisse der vergangenen Nacht schwer zu glauben.

Maureen klopfte sich auf die Beine und erhob sich aus dem ächzenden Sessel. "Ist wohl besser, wenn ich jetzt gehe. Ich müsste eigentlich schon längst auf der Arbeit sein", sagte sie mit einem Lächeln und ging zur Türe.

Danny versuchte aufzustehen, sank aber erschöpft zurück, seine Stimme war nur noch ein kaum hörbares Nuscheln: "Ich bringe dich noch zur Tür, vielleicht kommst du mal wieder." Sie hielt inne, wandte sich zu ihm um, beugte sich über das Sofa und küsste ihn kurz auf die Stirn. Er öffnete mit einer letzten Anstrengung die Augen, lächelte unkoordiniert und schlief ein. Sie streichelte ihm durchs Haar, fischte eine der Decken aus einer Ecke und legte sie über ihn. Das Geld ließ sie auf dem Tisch liegen.

Im Flur schrieb sie ihre Nummer auf einen Zettel und klemmte sie an den Spiegel, dann verließ sie die Wohnung des Vampirs. Der Wind begrüßte sie, als sie auf die Straße hinaustrat, und wirbelte Laub auf. Es war ein kalter Herbsttag, der deutlich den Winter ankündigte. Sie stopfte das Hemd in die Hose, knöpfte ihren Mantel zu und rammte die Hände in die Taschen.

Gott, sie liebte diese Stadt ...

© 2010 | Impressum