Es ist nur der Glaube an sich selbst, der die Magie schafft.
Der Raum war wie das Universum, das Zentrum allen Seins. Ein dunkler Raum, in dem die Schwärze den Eindruck von Unendlichkeit vermittelte und die Stille den von Vollkommenheit.
In der Dunkelheit flammte eine kleine Flamme auf, erst ein zaghaftes Flackern, das dann zu einem festen, hellen Fleck wurde. Hinter der Flamme schwebte ein Mann. In völliger Konzentration versunken trug ihn die Kraft seines Willens einen halben Meter über dem blank polierten Boden, in dem sich das Feuer spiegelte. Seine Kleidung war so schwarz wie die tiefe Dunkelheit um ihn herum, gegen die das schwache Licht vergeblich ankämpfte. Sein Gesicht wirkte entspannt, die Augen waren geschlossen. Ihm Licht der kleinen Flamme wirkte seine Haut geisterhaft blass. Er hatte die Beine im Schneidersitz unterschlagen, die Arme hielt er vor seinen Brustkorb, den rechten etwas höher, in der Herzgegend, den linken ein Stück tiefer, so dass zwischen beiden noch etwas Platz blieb. Beide Hände waren zu einer Schale geformt, die der rechten Hand war jedoch nach unten gedreht, so dass seine Hände eine Kugel beschrieben, ohne sich zu berühren. In der Mitte dieser Kugel schwebte die Flamme.
Sie war aus dem Nichts entstanden, zumindest entstand sie aus keinem greifbaren realen Ursprung. Sie war das Produkt seines Willens. Die Gestaltmachung seiner Gedanken.
Die kleine Kugel wurde heller, wuchs zu einem faustgroßen Ball heran. Der Mann nahm die Hände fort und jetzt schwebte der Feuerball ganz frei und wuchs weiter, immer weiter, bis er die ungefähre Größe eines Menschen erreicht hatte. Es war nun keine Kugel mehr, sondern glich einem feurigen Oval, einem brennenden Ei.
Die Hitze machte dem Mann nichts aus, er schwitzte nicht einmal, geschweige denn verbrannte er sich. Dieses Medium war durch ihn geschaffen und gehorchte ihm ganz und gar.
So verging einige Zeit, ohne dass das flammende Ei weiter wuchs, ohne das der Mann seine Konzentration fallen ließ.
Es war beinahe absolut still im Universum. Seine Atmung war kaum wahrzunehmen und auch das Knistern der Flammen klang nur wie ein leises Flüstern. Dann gesellte sich jedoch ein anderer Ton dazu. Ein entferntes, leises Knirschen, das ganz langsam lauter wurde. Sein Zentrum lag in dem Feuerei, dessen Flammen nun in freudiger Erwartung aufloderten und tanzten. Das Knirschen steigerte sich zu einem Knacken und Brechen. In der Flammenfläche zeigten sich erste zaghafte Risse, die schnell zu deutlichen Brüchen heranwuchsen, dann barst das Feuerei mit einem lauten Knall, schleuderte seine feurige Schale in die Dunkelheit des Universums, wo die einzelnen Splitter leuchteten wie Sterne am Nachthimmel.
Aus dem feurigen Inneren ertönte ein vogelartiges Kreischen, dann wurde ein brennender Körper im Flammenmeer sichtbar. Feurige Schwingen breiteten sich aus, und das Wesen erhob sich flügelschlagend in die Luft. Sein Körper bestand aus wallenden, in sich verschlungenen, tanzenden Flammenzungen, lodernden Schattierungen, wie ein Gefieder und tiefroten, glühenden Punkten, wo die Augen waren. Die gewaltigen Schwingen endeten in prächtigen Flammenfedern, während die Schwanzfedern feurige Bahnen durch die Luft zogen.
Das Wesen dankte seinem Erschaffer kreischend, dann verbrannte es ihn und sog seine Asche in sich auf.





